24 Jahre Online-Dating, Ghosting und Gaslighting. Die Überzeugung, für immer Single zu bleiben. Und dann hat er mich gefunden. Wie ich meine Bindungsangst überwunden und eine sichere Beziehung gefunden habe. Meine persönliche Geschichte über Prägungen, Muster und die Erkenntnis, dass echte Liebe sich anfangs „langweilig“ anfühlt.
Inhaltsverzeichnis
- Kurz & Knackig – das Wichtigste auf einen Blick
- 24 Jahre Suche – mein Weg durch Online-Dating und Gaslighting
- Beziehungsunfähig? Glücklich Single – und trotzdem hat etwas gefehlt
- „Der richtige Mensch ist noch nicht geboren“ – der Glaubenssatz, der mich geschützt hat
- Bindungsangst überwinden – wie meine Beraterin alles verändert hat
- Sichere Beziehung statt Drama – warum sich Liebe „langweilig“ anfühlt
- Liebe finden nach Trauma – 5 Erkenntnisse aus 24 Jahren Suche
- Fazit: Du bist nicht beziehungsunfähig – du bist auf dem Weg
Kurz & Knackig
Du hast wenig Zeit? Hier das Wichtigste:
- Ich habe 24 Jahre lang nach der Liebe gesucht – und zwischendrin aufgegeben.
- Mein Glaubenssatz: „Der richtige Mensch ist noch nicht geboren.“
- Eine Diagnose (Bindungsstörung) hat erklärt, warum Nähe und Intimität so schwer für mich waren.
- Meine Beraterin Stella hat mir gezeigt: Ich bin nicht beziehungsunfähig – ich war geprägt.
- Mit 37 hat er mich gefunden. Die Beziehung hat sich anfangs „langweilig“ angefühlt – und genau das war das Zeichen, dass sie richtig ist.
- Meine wichtigste Erkenntnis: Eine sichere Beziehung fühlt sich fremd an, wenn man Chaos gewohnt ist.
24 Jahre Suche – mein Weg durch Online-Dating und Gaslighting
Mein erstes Online-Date habe ich mit 13 Jahren gehabt. Er war 15. Ich erinnere mich noch an seinen Namen, und an das Gefühl: Aufregung, Nervosität, der Wunsch, gesehen zu werden. Geliebt zu werden.
Und dann hat eine lange, lange Suche begonnen.
Ich bin geghostet worden – von Männern, die sich nach wochenlangem Schreiben einfach in Luft aufgelöst haben. Ich bin gegaslighted worden – von einem, der mir eingeredet hat, meine Gefühle seien übertrieben, meine Bedürfnisse zu viel. Ich habe einen Mann mit deutlich narzisstischen Zügen gedatet und bin danach im Auto nach Hause gefahren, heulend, ohne zu verstehen, was eigentlich gerade passiert ist.
Und dann hat es Erfahrungen gegeben, über die ich lange nicht sprechen konnte. Vergewaltigungsähnliche Situationen, in denen meine Grenzen überschritten worden sind und ich die Sicherheit nicht hatte, um „Stopp“ zu sagen. Ich wollte es. aber ich habe es nie gelernt.
Ich habe viele Tiefpunkte erlebt. Abende voller Selbstzweifel. Nächte, in denen ich mir geschworen habe: Nie wieder Dating. Und Morgen, an denen ich die App doch wieder geöffnet habe. Die Hoffnung war hartnäckiger als der Schmerz.
Aber irgendwann war auch die Hoffnung aufgebraucht.
Beziehungsunfähig? Glücklich Single – und trotzdem hat etwas gefehlt
Und hier wird es ehrlich: Ich war wirklich glücklich als Single.
Das ist kein Trostpflaster, das ich mir rückblickend draufklebe. Ich hatte mir mein Leben richtig convenient eingerichtet. Mein Häuschen, meine Routinen, meine Freiheit. Karriere, Freundschaften, Reisen – alles hat gepasst. Niemand, mit dem ich den Fernseher teilen musste. Niemand, dessen Socken im Badezimmer lagen. Ich hatte mein System, und es hat funktioniert.
Aber in stillen Momenten ist der Gedanke trotzdem gekommen: Vielleicht bleibe ich halt bis zum Ende Single. Und meistens war das okay. Manchmal aber auch nicht.
Dazu hat sich ein anderer Glaubenssatz gesellt, der noch tiefer gesessen ist und den ich lange nicht ausgesprochen habe: Ich habe geglaubt, mein Körper sei nicht liebenswert genug. Mein Gewicht, meine Behaarung – ich habe eine Liste geführt in meinem Kopf, eine Liste der Gründe, warum mich niemand wollen könnte. Diese Liste war lang. Und sie war, wie sich herausgestellt hat, eine völlige Fehlannahme. Aber damals hat sich das so real angefühlt wie die Schwerkraft.
„Der richtige Mensch ist noch nicht geboren“ – der Glaubenssatz, der mich geschützt hat
Ich habe mich nie als beziehungsunfähig bezeichnet. Mein Narrativ war ein anderes: Der richtige Mensch für mich ist einfach noch nicht da. Noch nicht geboren. Und wenn er dann irgendwann auf der Welt ist – naja, dann ist er mir zu jung.
Das hat sich wie Humor angefühlt. Wie Selbstschutz. Wie eine elegante Art, die Enttäuschung zu verpacken. Aber unter diesem Spruch lag eine tiefe Überzeugung: Es wird nicht passieren. Nicht für mich.
Turns out: Er war nur auf einem anderen Kontinent geboren. Aber dazu später mehr.
Irgendwann habe ich aufgehört zu suchen. Habe mich eingerichtet in meinem Single-Leben. Habe beschlossen, dass das mein Weg ist. Und habe die Suche für beendet erklärt, einfach weil ich müde war.
Bindungsangst überwinden – wie meine Beraterin alles verändert hat
Die Diagnose „Bindungsstörung“ habe ich schon vor meiner Beraterin Stella bekommen. Prägungen aus der Kindheit, aus der Teenagerzeit, die ich nicht sehen konnte – die aber mein gesamtes (Liebes)leben gesteuert haben wie ein unsichtbares Betriebssystem. Was ich mit dieser Diagnose anfangen soll, habe ich nicht gewusst. Es war ein Etikett, das die Dinge erklärt, aber nichts verändert hat.
Erst Stella hat meine Perspektive wirklich verändert. Sie hat mir keine große Frage gestellt. Sie hat einfach eine Beobachtung gemacht, beiläufig fast: „Du führst doch Beziehungen. Du hast enge Freundschaften. Kolleg*innen, die dir vertrauen. Du bist nicht beziehungsunfähig.“
Und da hat etwas in mir geklickt.
Ich habe begonnen zu verstehen: Insbesondere, wenn es um Nähe und Intimität gegangen ist, konnte ich nicht sagen, was ich brauche. Ich konnte nicht sagen: „Bitte gib mir Luft zum Atmen.“ Ich konnte nicht sagen: „Das tut mir weh.“ Ich konnte mich nicht verletzlich zeigen – nicht beim Dating, nicht in nahen Momenten, nicht wenn es wirklich darauf angekommen ist.
Das hat sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben gezogen. Beruflich habe ich Dinge heruntergeschluckt, die mich verletzt haben. Privat habe ich gelächelt, wenn ich eigentlich weinen wollte. Ich habe funktioniert – aber gelebt habe ich nicht wirklich. Schon gar nicht in der Liebe.
Ein Buch, das mir in dieser Zeit die Augen geöffnet hat, war „Weiblicher Narzissmus“ von Bärbel Wardetzki. Es hat mir geholfen zu verstehen, wie tief diese Muster sitzen und dass es Überlebensstrategien sind, die irgendwann ihren Dienst getan haben und jetzt im Weg stehen.
Die Arbeit mit Stella war schmerzhaft, konfrontativ, manchmal überwältigend. Aber zum ersten Mal habe ich die Muster gesehen. Und wer Muster sieht, kann sie durchbrechen.
Sichere Beziehung statt Drama – Wieso sich Liebe „langweilig“ anfühlt
Mit 37 Jahren hat ER mich gefunden. Auf einem anderen Kontinent geboren, mit einer anderen Muttersprache, einer anderen Geschichte. Dass er der Mann meiner Träume ist, habe ich nicht sofort gewusst. Das hat sich erst später herausgestellt, Schicht für Schicht, wie ein Polaroid-Foto, das langsam Farbe bekommt.
Am Anfang war da vor allem eines: Ruhe. Kein Feuerwerk. Kein Herzrasen. Kein Drama. Es hat sich… ruhig angefühlt. Und mein erster Gedanke war: Langweilig.
Ich war es gewohnt, dass Beziehung aufregend ist, aber nicht auf die gute Art. Ich war es gewohnt, unsicher zu sein. Mich zu fragen: Komme ich bei ihm an? Wird er mich halten? Muss ich mich verstellen, um geliebt zu werden? Dieses ständige Auf und Ab, dieses emotionale Achterbahnfahren, das war für mich „Liebe“. Alles andere hat sich falsch angefühlt.
Dann hat eine Seminarteilnehmerin beiläufig einen Satz gesagt, der alles verändert hat. Ihre Psychotherapeutin hatte ihr beigebracht:
Eine gute Beziehung fühlt sich langweilig an, wenn man es nicht gewohnt ist.
Diese Sicherheit, diese Stabilität, diese Ruhe – das ist „langweilig“ für ein Nervensystem, das auf Chaos programmiert ist. Für jemanden, der Liebe immer mit Unsicherheit verwechselt hat, fühlt sich echte Liebe fremd an.
Auf dem Heimweg habe ich die Begegnungen mit IHM plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen. Die Ruhe war nicht langweilig. Die Ruhe war Heilung.
Heute führen wir unsere Beziehung auf Englisch. Keiner von uns ist Native Speaker. Das macht es manchmal herausfordernd, die richtigen Worte zu finden – gerade in Momenten, in denen es um Gefühle geht. Aber es hat uns ein unerwartetes Geschenk gegeben: Unsere Kommunikation ist deutlicher und klarer. Wir können die Nuancen unserer Muttersprachen nicht nutzen, also sagen wir genau das, was wir meinen. Kein Verstecken hinter Floskeln. Kein Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Einfach: Klarheit.
Es ist nicht mehr aufregend, weil ich mich frage, ob er mich liebt. Es ist aufregend, welche Pläne wir für die Zukunft schmieden. Es ist aufregend, gemeinsam zu wachsen. Auf einer ganz anderen Ebene. Einer besseren Ebene.
Ich kann heute sagen, was ich brauche. Ich kann mich verletzlich zeigen – und werde gehalten. Er ist nicht perfekt. Aber ich habe gelernt, mich halten zu lassen. Und das ist die größte Revolution für jemanden, der 24 Jahre lang alles alleine ausgehalten hat.
Liebe finden nach Trauma – 5 Erkenntnisse aus 24 Jahren Suche
Wenn du gerade in einem ähnlichen Schmerz steckst, dann sind hier die Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte:



